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UdL Digital Talks: Gekaufte Youtube-Klicks

Vor zwei Wochen habe ich bei UdL Digital – einem von e-plus/BASE gesponsorten Internettalk – mit Jürgen Trittin über Europa diskutiert. Wie ich mich selbst und die Diskussion gesehen habe, habe ich auch schon verbloggt.

Was mir im Anschluss auffiel war, dass im Vergleich zu den vorherigen Talks erstaunlich wenig Zuschauer ihren Weg auf das Video fanden. Zu erwarten war ja, dass so ein Talk, wenn überhaupt, in den ersten Tagen Aufmerksamkeit bekommt, oder dann, wenn über ihn irgendwo im Netz diskutiert wird.

Beides war nicht der Fall und die Zuschauerzahlen blieben niedrig, also schob ich es auf das Thema, auf die fehlende Kontroverse etc. Auf den Facebook-Post von UdL mit dem Video gab es keinerlei Reaktion, ein einziges “Like”. Auf Twitter keine Diskussionen.

In den letzten Tagen allerdings stieg die Zahl der Zuschauer merklich an, von wenigen hundert auf mehrere tausend. Normalerweise würde sowas für eine interessante Online-Debatte sprechen, die Besucher zu dem Video treibt. Ich konnte aber keinerlei Diskussion im Web entdecken.

Ein Blick auf die Statistik (Klick auf den Button neben den Besucherstatistiken) von meinem Talk zeigte jedoch, dass eine Anzeige geschaltet worden war. Sie wurde sogar für mich angezeigt:

 

 

 

Ein Blick auf alle UdL Digital Talks mit Politikern zeigte die gleiche Statistik-Kurve für alle : Erste stiegen die Besucherzahlen langsam an, dann wurde die Kurve steil und durchstieß die 10.000er, 15.000er oder 20.000er Marken und flachte dann maximal ab. Und bei allen Statistiken wird eine Anzeige als Grund für den Anstieg um diese x-tausend angegeben. Das heißt, keine dieser Diskussionen hat wirklich zu öffentlichem Interesse geführt.

Warum tut man das, 10k, 15k oder 20k Klicks/Views kaufen? Um den Politikern zu verkaufen, dass sie so-und-so-viele Menschen erreichen, weil die Sendung ja so-und-so-viel tausend Menschen erreicht? Um das Format allgemein zu rechtfertigen?

Das Lustige ist, dass die Sendung als Versuch verkauft wird, ein neues Publikum zu erreichen, Menschen die sonst kein Fernsehen gucken. Wenn Anzeigen dieser Weg sind, ist das wirklich innovativ.

Dass die eigentlich 45-minütige Diskussion auf 15 Minuten geschnitten wird – nach meiner Beobachtung und nach unabhängiger Beobachtung mehrerer Freunde auch noch nicht sehr hilfreich geschnitten – wurde mir von Cherno Jobatey mit der Aussage begründet, dass bei einer längeren Fassung zu viele Zuschauer zu früh abspringen würden.

Wenn man aber 90-95% der Zuschauer sowieso nur über gekaufte Klicks bekommt – macht das dann überhaupt noch einen Unterschied?

Wenn diese Diskussionen de facto keinen bis kaum Nachhall finden, wenn sogar die Möglichkeit zum Bewerten und Kommentieren ausgeschaltet ist, welchen Sinn hat das? Wenn man das Geld ausgeben möchte, 10.000 Klicks zu kaufen, kann man auch jedes andere Video bewerben und dann behaupten, es würde auf neue Zuschauerschichten treffen. Deutlich innovativere Formate zum Beispiel.

Ich muss sagen, ich komme mir im Rückblick ein bisschen veralbert vor. Entweder so eine Diskussion ist interessant, oder sie ist es nicht. Ob das an mir, Trittin, dem Format oder an was auch immer liegt – live with it! Dass stattdessen Zuschauer/Klicks für diese Sendung gekauft und damit Interesse gefakt wird, ist eher eine Beleidung. Gesponsort von e-plus/BASE.

Update (16:36): Da die Statistiken zu den Videos momentan nicht (mehr) zugänglich sind – ich weiß nicht, ob das mit diesem Blogpost zusammenhängt – hier noch ein Screenshot von heute 0:57, bei dem man die Entwicklung der Zuschauerstatistiken beim Talk mit Bernd Schlömer sehen kann.



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