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Gibt es eine deutsch(sprachig)e Europa-Blogosphäre?

Weil ich auf der re:publica 12 diesen Vortrag gehalten habe, bin ich Montag in Essen zu einem Vortrag samt Diskussion geladen, bei dem es um die “Europäische Online-Öffentlichkeit” gehen soll. Googelt man den Begriff, ist der einzige Text, den man dazu findet, der hier (vergleiche: Selbstreferenzialität), das heißt, ich muss die Antworten auf die großen Fragen wohl selbst finden.

Eine der Fragen, die mir zur Vorbereitung gestellt wurde, ist, ob es eine deutsche oder deutschsprachige Eurobloggerszene gibt. Martin hat sich letztes Jahr diese Frage auch schon ge- und mal eine provisorische Liste erstellt. Die Antwort ist und bleibt aber eher “Nein”.

Aber was ist schon eine Szene? Ist es schon eine Szene, wenn auf netzpolitik.org in den Kommentaren zu einem Post über Vorratsdatenspeicherung und Informationsfreiheit in der EU sich diese Grundsatzdiskussion entwickelt? Ist es eine Szene, wenn Egghat einen Kommentar zu Lost in EUrope‘s Beitrag “Europa kann es nicht” schreibt, in dem er auf einen Blogbeitrag von sich zum griechischen Schuldenschnitt verweist, und wenn Eric von Lost in Europe bei Kielspratineurope einen Beitrag zum Europopulismus von SPIEGELonline kommentiert, das selbe SPIEGELonline, auf dem ich im Frühling schon mal über deutsches Europabloggen schreiben durfte?

Was ist, wenn sich Blick Log Gedanken auf deutsch darüber macht, warum Europäer (nicht) bloggen können? Und ist es schon eine deutsche europäische Online-Öffentlichkeit, wenn eine in einer dänischen Polit-Fernsehserie (Borgen, Season 2, Episode 2) die Ernennung eines EU-Kommissars thematisiert wird und dann der föderalist darüber auf deutsch bloggt, auch, weil gerade aktuell ein neuer maltesischer Kommissar ernannt wurde?

Und ist es eigentlich Europäische Online-Öffentlichkeit oder gar eine deutschsprachige Europa-Blogosphäre, wenn im Küchenradio im Oktober 2011 auf deutsch über das EU-Parlament gepodcasted wird, ich auf Englisch darüber blogge, Philip vom Küchenradio mich im Mai 2012 vor und während diesem Online-Interview darauf anspricht, ich im Juni bei dieser Veranstaltung mit dem österreichischen Verantwortlichen für die EUROPA-Website* über den Podcast unterhalte und mich danach kurz mit Philip auf Twitter darüber austausche?

Ich würde es mal so zusammenfassen:

Es gibt keine klar eingrenzbare deutsch(sprachig)e Euroblogosphäre, aber, um in meinem eigenen Bild zu bleiben, es hat sich über die letzten Jahre eine europäische Online-Öffentlichkeit gebildet, die mehr einem Schaum als einer zusammenhängenden Blase ähnelt. Metronaut ist mit Sicherheit kein Euro-Blog, hat aber mit “EU” getaggte Beiträge genauso wie die kaffee bei mir eine “Europa”-Kategorie hat, in der ein Beitrag zum EU-Friedensnobelpreis bislang 12 Kommentare bekommen hat, unter anderem ein Verweis auf diesen satirischen Beitrag zum Thema.

Europäische Themen werden also in deutschen Blogs diskutiert, aber es zeigt sich, dass Europa und Europapolitik sich eher normalisieren, also einfach Teil von digitalen Gesprächen werden, ohne dass sich eine EU-fokussierte Szene herausbildet, wie wir sie auf Bloggingportal.eu abzubilden versuchen.

Das macht es schwieriger, den Gesprächsfäden zu folgen, sie zu finden, aber vielleicht ist ein natürlicher, chaotischer und häufig kritischer Europa-Dialog viel gesünder als der eher künstliche Dialog (oder eher Monolog), der mit Kampagnen wie “Ich will Europa” forciert werden soll. Dann gibt es halt keine deutsche Europa-Blogosphäre, sondern eine deutsche Blogosphäre, die sich auch hin und wieder mit Europa auseinandersetzt – aber dann, wenn es relevant ist, nicht, wenn jemand meint, dass es jetzt dafür Zeit wäre.

* Siehe auch: Wird EUROPA von Berlin regiert?



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